Die fleischproduzierende Industrie in Österreich

Schlacht- und Zerlegebetrieb
© Dusan Petkovic / stock.adobe.com

Die österreichische Fleischindustrie spielt eine bedeutende Rolle in der Lebensmittelproduktion des Landes. Mit rund 21.000 Betrieben, die sich der Schweinehaltung widmen, werden jährlich etwa 5,1 Millionen Schweine geschlachtet. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei durchschnittlich 36 kg Schweinefleisch, 20 kg Rind- und Kalbfleisch sowie 20 kg Geflügelfleisch pro Jahr.

Die Fleischproduzenten in Österreich legen großen Wert auf Qualität und Herkunft ihrer Produkte. Mit dem „100 % Österreich“ Logo wird garantiert, dass die Fleischwaren ausschließlich aus heimischer Produktion stammen. Die Betriebe sind über das ganze Land verteilt, von Burgenland über Kärnten bis Niederösterreich.

Überblick über die österreichische Fleischindustrie

Die österreichische Fleischindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, der eine Vielzahl von Betrieben und Produkten umfasst. Mit rund 55.000 auf die Fleischproduktion spezialisierten Betrieben leistet die Branche einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Fleischprodukten.

Anzahl der Betriebe und Produktionsmengen

In Österreich gibt es insgesamt etwa 156.000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen ungefähr 25 % biologisch wirtschaften. Die Fleischproduktion konzentriert sich auf rund 55.000 spezialisierte Betriebe. Im Jahr 2022 wurden in Österreich beispielsweise 584.932 Rinder geschlachtet, während die Zahl der geschlachteten Schweine bei etwa 4,9 Millionen lag. Die Geflügelproduktion belief sich auf rund 152.000 Tonnen, wobei der Selbstversorgungsgrad bei Geflügel bei 77 % lag.

Wichtigste Fleischarten und Produkte

Zu den wichtigsten Fleischarten in Österreich zählen:

  • Schweinefleisch mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 36 kg pro Jahr
  • Rind- und Kalbfleisch mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 20 kg
  • Geflügel, ebenfalls mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 20 kg

Während der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch bei 144 % liegt, beträgt er bei Schweinefleisch 104 %. Trotz des hohen Konsums von Fleisch gewinnen auch fleischersatz als alternative zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Menschen auf eine nachhaltigere Ernährung setzen.

Fleischproduzenten in Österreich

In Österreich gibt es eine Vielzahl von Fleischproduzenten, die sich der Herstellung hochwertiger Produkte verschrieben haben. Viele dieser Unternehmen setzen auf regionale Fleischproduktion und garantieren mit dem Qualitätssiegel „100 % Österreich“, dass ihre Frischfleischprodukte vollständig aus heimischer Produktion stammen.

Zu den führenden Fleischproduzenten in Österreich zählen renommierte Unternehmen wie die Marcher Fleischwerke, die Großfurtner Fleisch GmbH und die Wech Fleischwerke. Diese Betriebe zeichnen sich durch ihre langjährige Erfahrung, ihre hohen Qualitätsstandards und ihr breites Sortiment aus.

Die Fleischproduzenten sind über alle Bundesländer Österreichs verteilt, wobei sich in einigen Regionen besondere Schwerpunkte herausgebildet haben. So findet man beispielsweise in der Steiermark und in Oberösterreich eine hohe Dichte an Betrieben, die sich auf die Verarbeitung von Rindfleisch spezialisiert haben.

Spezialisierung und Produktvielfalt

Viele österreichische Fleischproduzenten haben sich auf bestimmte Fleischarten, Qualitätsstandards oder Verarbeitungsmethoden spezialisiert. So gibt es Betriebe, die sich ausschließlich der Produktion von Bio-Fleisch widmen oder sich auf traditionelle Herstellungsverfahren wie das Selchen oder Räuchern konzentrieren. Durch diese Spezialisierung können die Unternehmen ein besonders hochwertiges und vielfältiges Sortiment anbieten.

Neben dem klassischen Fleischangebot setzen immer mehr Produzenten auch auf Fleischersatz als Alternative. Dabei kommen pflanzliche Proteinquellen wie Soja, Erbsen oder Weizen zum Einsatz, um schmackhafte und nachhaltige Produkte herzustellen. Durch die Direktvermarktung über Hofläden oder Online-Shops können Kunden direkt bei den Erzeugern einkaufen und so die regionale Fleischproduktion unterstützen.

Tierhaltung und Fütterung

In der österreichischen Fleischproduktion gibt es eine Vielzahl von Haltungsformen, die von konventionellen Ställen bis hin zu artgerechten Offenställen mit Auslauf reichen. Ein Beispiel für die Bandbreite der Schweinehaltung ist der Betrieb von Dietmar und Anna Haas. Während im alten Stall etwa 520 Schweine auf Vollspaltenboden gehalten werden, bietet der neue „Pig Port“ Außenklimastall den Tieren Stroh, Luft, Licht und zeitweise eine Suhle.

Trotz solcher positiven Beispiele leben mehr als 90 Prozent der Schweine in Österreich unter unzureichenden Bedingungen. Um das Tierwohl zu verbessern, setzen immer mehr Betriebe auf artgerechte Haltungsformen wie Offenställe mit Auslauf. Diese ermöglichen den Tieren ein natürlicheres Verhalten und tragen zu einer besseren Gesundheit bei.

Fütterungspraktiken und Futtermittel

Die Fütterung spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität des Fleisches und das Wohlbefinden der Tiere. Viele Betriebe setzen auf hofeigenes, gentechnikfreies Futter, das dem Alter der Tiere angepasst wird. Im Betrieb von Dietmar und Anna Haas wird das Futter beispielsweise betriebsintern gemischt und enthält vor allem Soja- und Rapsschrot, Maissilage, Getreide sowie Ganzkornsilage.

Neben der artgerechten Fütterung gewinnen auch alternative Proteinquellen wie Fleischersatz an Bedeutung. Eine Studie zeigt, dass 50% der Befragten in Österreich offen für den Umstieg auf Fleischalternativen sind, wenn Preis und Geschmack stimmen. Der Einsatz von nachhaltigen Futtermitteln und die Reduzierung des Fleischkonsums können dazu beitragen, die Umweltauswirkungen der Tierproduktion zu verringern und das Tierwohl zu verbessern.

Nachhaltigkeit und Tierwohl in der Fleischproduktion

Die österreichische Fleischindustrie legt zunehmend Wert auf nachhaltige Praktiken und verbesserte Tierwohl-Standards. Viele Betriebe setzen auf Bio-Landwirtschaft und artgerechte Haltung, um den wachsenden Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden. Gütesiegel wie das AMA-Gütesiegel dienen als Orientierungshilfe beim Einkauf und kennzeichnen Fleisch aus besonders tierfreundlicher Produktion.

Trotz positiver Entwicklungen besteht noch Verbesserungspotenzial. Laut Studien stammen nur rund 6 Prozent des Schweinefleisches in österreichischen Supermärkten aus Tierwohl-Projekten und lediglich 1,5 Prozent erfüllen hohe Bio-Standards in Bezug auf Umweltschutz. Über 90 Prozent des Fleisches erfüllen nur minimale Anforderungen an die Tierhaltung.

Initiativen und Zertifizierungen

Um den Tierschutz und die Nachhaltigkeit in der Fleischproduktion voranzutreiben, gibt es verschiedene Initiativen und Zertifizierungen:

  • Das AMA-Modul „Tierhaltung plus“ in der Milchwirtschaft zur Steigerung der Tierwohlstandards
  • Die Beendigung der dauernden Anbindehaltung im AMA-Gütesiegel bis Ende 2023
  • Die Gründung des Dachvereins „Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ zur Vertretung der Interessen von Tierhaltern aller Sparten

Herausforderungen und Verbesserungspotenziale

Trotz der Bemühungen stehen die Fleischproduzenten vor Herausforderungen. Der hohe Fleischkonsum von durchschnittlich 60 Kilogramm pro Person und Jahr in Österreich, dreimal mehr als empfohlen, erfordert eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Zudem stammt ein Großteil des Futters für Nutztiere aus importiertem Soja, teils aus gerodeten Regenwaldgebieten. Die Nutztierhaltung ist weltweit für fast 15 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Um den Klimaschutz und das Tierwohl zu verbessern, sind weitere Schritte nötig. Dazu zählen die Optimierung von Fütterung und Haltungsbedingungen, die Förderung pflanzenbasierter Fleischersatzprodukte als Alternative sowie die Sensibilisierung der Verbraucher für einen bewussten Fleischkonsum.

Vermarktung und Konsum von österreichischem Fleisch

Österreichisches Fleisch erfreut sich sowohl im Inland als auch im Export großer Beliebtheit. Die Produktion von Schweinefleisch stieg kontinuierlich von 500.000 Tonnen im Jahr 2010 auf 575.000 Tonnen im Jahr 2020. Parallel dazu erhöhte sich die Exportrate von Schweinefleischprodukten von 12% auf 18%. Der Fleischgenuss aus heimischer Produktion liegt voll im Trend.

Konsumenten legen zunehmend Wert auf Regionalität, Tierwohl und Nachhaltigkeit. Der bewusste Konsum hochwertigen Fleisches gewinnt an Bedeutung. Direktvermarktung ab Hof, der Einkauf beim Fleischhauer des Vertrauens oder Gütesiegel im Supermarkt ermöglichen den Zugang zu österreichischem Qualitätsfleisch. Dadurch wird die Wertschätzung für das Lebensmittel und die Arbeit der Landwirte gefördert.

Eine offene Kommunikation über Herkunft, Haltung und Verarbeitung schafft Transparenz und stärkt das Vertrauen der Verbraucher. Gleichzeitig gewinnen Fleischersatzprodukte als Alternative an Bedeutung. Trotz steigenden Preisdrucks, insbesondere in einkommensschwachen Haushalten, bleiben Grundnahrungsmittel wie hochwertiges Fleisch oft von Einsparungen verschont. Der maßvolle Genuss von Qualitätsfleisch hat weiterhin einen hohen Stellenwert für österreichische Konsumenten.

Fazit

Die österreichische Fleischindustrie zeichnet sich durch ihre Vielseitigkeit und ihr Engagement für Qualität aus. Von traditionellen Familienbetrieben bis hin zu modernen Verarbeitungsunternehmen deckt die Branche ein breites Spektrum ab. Dabei setzen die heimischen Produzenten zunehmend auf Nachhaltigkeit, Tierwohl und Innovation, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial, insbesondere in Bezug auf Haltungsformen, Fütterungspraktiken und Verbraucheraufklärung. Eine verantwortungsvolle Fleischproduktion erfordert ein Umdenken und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Dazu gehören beispielsweise die Förderung artgerechter Haltung, der Einsatz nachhaltiger Futtermittel und die transparente Kommunikation mit den Verbrauchern.

Die österreichische Fleischindustrie steht vor der Aufgabe, eine Balance zwischen Fleischgenuss und bewusstem Konsum zu finden. Dies erfordert ein Zusammenspiel von Produzenten, Handel und Verbrauchern. Innovative Konzepte wie Fleischersatz als Alternative können dazu beitragen, den Fleischkonsum zu reduzieren und gleichzeitig den Bedürfnissen der Konsumenten gerecht zu werden.

Letztendlich liegt es in der Verantwortung aller Beteiligten, die Zukunft der Fleischproduktion in Österreich nachhaltig und tiergerecht zu gestalten. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann die Branche einen wertvollen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung leisten. Die österreichische Fleischindustrie hat das Potenzial, sich als Vorreiter für Qualität, Innovation und Verantwortung zu positionieren und damit auch international Maßstäbe zu setzen.

 

Written by Kai