Ostern in Österreich: Traditionen, Bräuche und Feierlichkeiten

Ostereier
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Ostern hat in Österreich eine lange Tradition und wird mit zahlreichen Bräuchen gefeiert, die je nach Region variieren. Das Fest ist nicht nur ein wichtiges kirchliches Ereignis, sondern auch eine Zeit des geselligen Beisammenseins, des kulinarischen Genusses und der gelebten Volkskultur.

Die Vorbereitungszeit: Fastenzeit und Palmsonntag

Die Osterzeit beginnt bereits 40 Tage vor Ostern mit der Fastenzeit, die an Aschermittwoch startet. Viele Menschen verzichten in dieser Zeit auf bestimmte Lebensmittel wie Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol. In einigen Gegenden gibt es noch die Tradition des „Schmalzfastens“, bei der während der Fastenzeit nur pflanzliche Fette verwendet werden.

Am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, wird an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. In den Kirchen werden Palmprozessionen abgehalten, bei denen die Gläubigen mit Palmzweigen oder Palmbuschen, die aus Buchsbaum, Weidenkätzchen und bunten Bändern bestehen, durch die Straßen ziehen. Diese Buschen werden anschließend oft ins Haus gestellt oder in den Garten gesteckt, um Glück und Segen zu bringen.

Die Karwoche: Von Gründonnerstag bis Karsamstag

Die Karwoche ist die wichtigste Zeit vor Ostern und beginnt mit dem Gründonnerstag, an dem das letzte Abendmahl Jesu gefeiert wird. Ein alter Brauch ist es, an diesem Tag grüne Speisen wie Spinat, Kräutersuppen oder Brennnesselgerichte zu essen.

Am Karfreitag wird der Kreuzigung Jesu gedacht. Traditionell wird an diesem Tag gefastet, viele Katholiken verzichten auf Fleisch und essen stattdessen Fisch. In den Kirchen finden Passionsspiele und Kreuzwegandachten statt. In manchen Regionen verstummen an diesem Tag die Kirchenglocken – man sagt, sie seien „nach Rom geflogen“. Stattdessen ziehen Kinder mit „Ratschen“ (hölzernen Lärminstrumenten) durch die Dörfer und verkünden mit ihrem Rattern die Gebetszeiten.

Der Karsamstag steht im Zeichen der Stille und Besinnung. In vielen Orten gibt es jedoch das traditionelle Osterfeuer, das in der Nacht entzündet wird. Dieses Feuer symbolisiert das Licht der Auferstehung.

Ostersonntag: Der Höhepunkt der Feierlichkeiten

Der Ostersonntag beginnt mit der feierlichen Osternacht, einer Mitternachtsmesse, in der die Auferstehung Jesu verkündet wird. In vielen Gegenden werden dabei Osterkerzen entzündet und geweihtes Wasser verteilt.

Ein zentraler Brauch ist das Osterfrühstück oder die Osterjause, bei der nach der Fastenzeit ausgiebig geschlemmt wird. Auf den Tisch kommen traditionell Osterschinken, Kren (Meerrettich), gefärbte Eier, Striezel (ein süßes Hefegebäck) und Osterlamm aus Biskuitteig. In manchen Regionen wird das Osterfleisch in der Kirche geweiht, bevor es verzehrt wird.

Für Kinder ist das Eiersuchen ein Höhepunkt des Festes. Der Osterhase versteckt bunt bemalte Eier, Schokolade und kleine Geschenke in Gärten oder Wohnungen. Dieser Brauch hat sich über die Jahrhunderte entwickelt und ist heute nicht mehr aus dem Osterfest wegzudenken.

Ostermontag: Geselligkeit und Volksfeste

Der Ostermontag ist in Österreich ein Feiertag, an dem Familien und Freunde zusammenkommen. In ländlichen Gegenden gibt es spezielle Osterbräuche wie das „Eierpecken“, bei dem zwei Personen ihre hartgekochten Eier gegeneinanderschlagen – wessen Ei unversehrt bleibt, hat gewonnen.

Viele Regionen veranstalten am Ostermontag traditionelle Volksfeste oder Prozessionen. Besonders bekannt sind die „Emmausgänge“, bei denen Gläubige Wanderungen oder Wallfahrten unternehmen, um an die Begegnung der Jünger mit Jesus auf dem Weg nach Emmaus zu erinnern.

Ostern in Österreich, Deutschland und der Schweiz im Vergleich

Obwohl Ostern in Österreich, Deutschland und der Schweiz viele Gemeinsamkeiten aufweist, gibt es auch einige Unterschiede in den Bräuchen und Traditionen. In allen drei Ländern gehören das Osterfeuer, das Eiersuchen und die kirchlichen Feierlichkeiten zu den festen Bestandteilen des Festes. Während in Österreich das Ratschen durch Kinder als einzigartiger Brauch gilt, ist in Deutschland das Osterwasserholen in einigen Regionen verbreitet, bei dem am Karsamstag oder in der Osternacht Wasser aus einem Bach oder einer Quelle geschöpft wird, das Glück und Gesundheit bringen soll. In der Schweiz sind die Ostermärkte besonders beliebt, wo kunstvoll verzierte Eier und regionale Spezialitäten verkauft werden. Außerdem gibt es dort in manchen Gegenden den „Zwänzgerle“-Brauch, bei dem Erwachsene versuchen, ein 20-Rappen-Stück auf ein hartgekochtes Ei zu werfen – bleibt die Münze stecken, dürfen sie das Ei behalten, ansonsten geht es an das Kind.

Fazit

Ostern in Österreich ist ein Fest voller Traditionen, das sowohl religiöse als auch volkstümliche Elemente vereint. Von der Fastenzeit über das Osterfeuer bis hin zum gemeinsamen Osterfrühstück reicht die Vielfalt der Bräuche, die das Fest zu einem besonderen Ereignis für Jung und Alt machen. In den verschiedenen Regionen des Landes gibt es zahlreiche Variationen der Feierlichkeiten, doch die Freude über den Frühling und das Leben steht überall im Mittelpunkt.

Written by Kai